Identifikation im Wachstum schaffen – warum keiner Ihre alten Geschichten hören will.

Herzbergs Wachstums-ABC: I wie Identifikation

Jeder Gründer erzählt seinen Mythos. Wächst das Unternehmen, können die meisten Mitarbeiter damit nichts mehr anfangen. Wenn Sie selbst also immer wieder die Geschichte von der Garagengründung erzählen, dann sollten Sie aufpassen. Womöglich wird das, was eigentlich Identifikation fördern soll, zur schlechten Propaganda.


Die größten Hürden in der Organisation von Unternehmenswachstum, gesammelt in meinem Wachstums-ABC – von A wie Autobahntunnel bis Z wie Zellteilung. Den gesamten Überblick finden Sie hier.


 

Vom Stolzmacher zum Identifikationskiller: der Gründungsmythos

Der Unternehmer erzählt sie immer wieder gerne: die Geschichte davon, wie er damals mit dem Bayernticket zusammen mit seinem Kollegen für insgesamt 20 Euro über drei Stunden mit der Regionalbahn zu seinem ersten Kunden gefahren ist, weil die Reisekasse knapp war.

So lange er drei Mitarbeiter hat, ist das prima für die Identifikation mit dem Unternehmen. Ist die Organisation aber auf 200 Mitarbeiter angewachsen, dann ist die Anekdote aber viel zu weit weg von der neuen Realität. Was früher den unbedingten Willen zum Ziel transportieren konnte, wird jetzt als Aufforderung zur vermeintlich falschen Sparsamkeit verstanden. Identifizieren wird sich damit niemand mehr. Der Grund: Die neuen Mitarbeiter kennen die Geschichte nur aus Erzählungen. Für die alten ist sie längst Vergangenheit. Und beide finden sie nicht in ihrem Alltag wieder.

Erfindet die Frau nur irgendwelche Geschichten  oder handelt es sich um wahre  Identifikation mit ihrem Unternehmen und tippt sie ihre Erfahrungen eigene ab.

Identifikation ja, aber nicht mit alten Geschichten

Wer zum falschen Zeitpunkt seinen Mythos auspackt, der erntet bestenfalls Kopfschütteln.

Auf dem Weg nach vorn helfen uns drei Schritte:

  1. Prüfen Sie Ihre Geschichten!
    Welche die guten und welche die schlechten Geschichten sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Eine einfache Regel lautet: Was dem Einzelnen schmeichelt, schadet womöglich dem Unternehmen. Wenn Sie das feststellen, sollten Sie die Geschichte für sich behalten. Schließlich wollen wir keine Helden-Propaganda, sondern persönliche Bindung des Zuhörers erreichen.
  2. Werfen Sie die schlechten Geschichten über Bord
    Alte Geschichten verschwinden nur, wenn sie nicht mehr erzählt werden. Und das geschieht erst, wenn es neue Geschichten zu erzählen gibt. Ihre Aufgabe ist es nun, auf die Suche zu gehen: Zu welchen Gelegenheiten werden die alten Geschichten erzählt? Wo erregen sie womöglich Kopfschütteln? Von wem? Was hätte der Erzähler erreichen wollen? Ihre Aufgabe ist es, für diese Gelegenheiten neue Geschichten zu finden.
  3. Schaffen Sie neue Geschichten
    Neue Geschichten haben natürlich auch handelnde Personen. Aber anstatt sie zu glorifizieren, suchen wir nach dem Wert, den wir mit der Handlung transportieren wollen. Ist es die Usability Ihres Systems? Dann erzählen Sie von dem Kunden, der sich innerhalb von nur drei Minuten in Ihrem System zurechtfand. Ist es Sparsamkeit bei Reisekosten? Dann berichten Sie von witzigen Erlebnissen im Bus. Ist es das Durchhalten am Tiefpunkt? Dann berichten Sie, wie das Team Ihren Helden unterstützt hat.

Funktionale Geschichten sind mehr als leere Propaganda. Sie helfen Ihrem Team, im Hier und Jetzt ihre eigene Unternehmensgeschichte zu schreiben. Die erzählen sie ihren Kollegen und daheim ihren Freunden und ihrer Familie. Einzelne beginnen, nach den erzählten Werten zu handeln, und sie treffen ihre eigenen Entscheidungen im Sinne des Ganzen. Das wiederum erzeugt neue Geschichten, was den Prozess verstärkt.

Wenn Sie das geschafft haben, dann Glückwunsch zu Ihrer neuen Rolle! Ab heute dürfen Sie den Titel eines Chief Storytelling Officers tragen.

Bild: © olly / fotolia


Dr. Torsten Herzberg. Unternehmensentwickler, Vorwärtsbringer, Org-Hacker.
Meine Auftraggeber - sie haben ein tolles Team und starke Ideen. Und sie haben größeres vor. Sie entwickeln neue Strategien, treiben Innovationen voran, ihr Unternehmen wächst. Dabei ist es vor allem die eigene Organisation und ihr Zusammenspiel, das ihnen im Wege steht. Gemeinsam überwinden wir diese Grenzen und heben das Team auf ein neues Leistungsniveau. Wir machen Ziele und Ideen umsetzbar, bereiten die Organisation auf Wachstum vor, und entwickeln notwendiges Know-how. Mit welchen Fragen sie noch zu mir kommen, erfahren Sie hier.


 

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 28. September 2015
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