Projektstau vor dem Autobahntunnel.

Herzbergs Wachstums-ABC: A wie Autobahntunnel.

Ein Unternehmen im Wachstum hängt davon ab, wie gut seine Experten verfügbar sind. So lange die Aufträge abgewickelt werden, ist alles in Ordnung. Sobald aber die Experten ihre Arbeit nicht mehr fertig bekommen, dann passiert schnell das gleiche wie vor dem Tunnel auf der Autobahn. Zur Ferienzeit.


Die größten Hürden in der Organisation von Unternehmenswachstum, gesammelt in meinem Wachstums-ABC – von A wie Autobahntunnel bis Z wie Zellteilung. Den gesamten Überblick finden Sie hier.


 

A wie Autobahn-Tunnel: Warum mehr Kontrolle im Projektstau alles nur noch schlimmer macht, und wie man der Spirale entgehen kann.

Schönstes Wetter, und wir sind auf dem Weg in den Urlaub. Bis gerade eben war unsere Laune noch bestens. Jetzt ist Stau, und die erste Langeweile weicht aufkommendem Ärger: über den Fahrer vor uns, der nicht in die Gänge kommt. Über den anderen Fahrer, der ständig die Spur wechselt. Warten auf Verkehrsnachrichten. Wir brauchen Informationen! Parallel noch Schleichwege auf Google Maps suchen. Wie lange ist der Stau? Wieviel Zeit verlieren wir? Können wir eine andere Route nehmen?

Dann kommt es, wie es kommen muss: der Spurwechsler ist dem Träumer hinten drauf gefahren, Unfall. Die Beteiligten steigen aus und streiten. Fotos machen, Polizei rufen, Rettungsgasse bilden, es dauert. Für die Schaulustigen ist das ein willkommenes Unterhaltungsprogramm. Für die Beteiligten ist der Spaß vorbei. Das Ergebnis: Alle haben etwas zu tun, nur vorwärts kommt dabei niemand.

Eine gut befahrene Autobahn ohne "Projektstau".

Der Tunnel im Unternehmen: Projektstau bei den Experten

Im wachsenden Unternehmen ist es fast so wie auf der Autobahn. Die Experten (z.B. Entwickler, Vertriebler, Techniker) sind wie Tunnels, und alle Projekte müssen „durch“. Werden es zu viele Aufträge, kommt es zum Projektstau. Im Projektmeeting geht es dann ähnlich zu, wie auf der Autobahn – Ungeduld kommt auf, der Informationsbedarf steigt, Alternativlösungen werden gesucht.

So setzen die Projektleiter eine Spirale in Gang: Je mehr Stau, desto mehr wird diskutiert und desto mehr geht schief. Immer kürzer werden die Abstände bis zur nächsten Statusabfrage in den Projekten. Und als Zugeständnisse und „Quick wins“ für die Wartenden und für die Statusprüfer werden die Einzelschritte immer kleiner, damit sie einfach und parallel bearbeitet werden können. Schließlich wollen wir Erfolge sehen.

Blockabfertigung statt Micro-Management

Und so beginnt das Micro-Management. Das ist dann so, als würde man Autos zerlegen und in Einzelteilen durch den Tunnel bringen wollen.

Auf so eine Idee käme freilich niemand. Auf der Autobahn gibt es stattdessen Blockabfertigung: beide Richtungsfahrbahnen werden genutzt und Kapazitäten gebündelt. Das würde auch Projekten gut tun: Projektphasen vollständig abschließen, um so ganze Projekte weiterzubringen. Auch wenn das die Wartezeiten der anderen Projekte erhöht. Anstatt alle Auftraggeber mit Unfällen und Verspätungen unglücklich zu machen, könnten einige wenige sehr zufrieden gestellt werden.

Der Schlüssel: Wie man der Spirale entgeht.

Es klingt einfacher als es ist: Unternehmer können der Spirale entgehen, indem sie die Projekt-Tunnels ausbauen und so die Kapazitäten erhöhen: Experten müssen weitere Experten ausbilden oder einarbeiten können.

Auf der Autobahn wird der Verkehr dann einspurig durch eine Tunnelröhre geführt, während an der zweiten Röhre gebaut wird. Die Kapazität nimmt zunächst ab, der Stau zu. Auch bei der Erweiterung des Projekttunnels muss mit einem erhöhten Stau-Aufkommen gerechnet werden.

Worin liegt nun der Schlüssel zum Ausstieg aus der Spirale?
Zunächst liegt er darin, die Situation zu akzeptieren: Im ersten Schritt bedeutet Wachstum weniger Kapazität für den Einzelnen, damit im zweiten Schritt mehr Leistung insgesamt möglich ist.

Erst wenn diese gedankliche Voraussetzung steht, macht es Sinn über weitere Maßnahmen nachzudenken. So können alle kurzfristigen Effizienz-Einbußen als Investition betrachtet werden. Und Investitionen bieten Chancen. Der Unternehmer kehrt zurück in den Fahrersitz und kann entscheiden, ob sich die Investition lohnt oder eben nicht.

An welchen Stellen wollen Sie investieren?

Wer investieren will, kann frei entscheiden was ihm lieber ist:

  • Weniger Kunden und Projekte abwickeln, um genauso weiter arbeiten zu können wie bisher? Wahrscheinlich nicht.
  • Wollen Sie zuerst Klarheit in der Datenlage schaffen, ob sich neue Projekte überhaupt lohnen? Vielleicht.
  • Sollten Sie Ihr Zusammenspiel anders organisieren, damit Experten zielgenauer arbeiten können? Wenn ja, inwiefern?
  • Wo brauchen Sie mehr Selbststeuerung in den Teams, damit weniger Entscheidungsstau entsteht?

Was auch immer es ist. Es kostet Zeit und Aufmerksamkeit, die sich lohnt.

 


Dr. Torsten Herzberg. Unternehmensentwickler, Vorwärtsbringer, Org-Hacker.
Meine Auftraggeber - sie haben ein tolles Team und starke Ideen. Und sie haben größeres vor. Sie entwickeln neue Strategien, treiben Innovationen voran, ihr Unternehmen wächst. Dabei ist es vor allem die eigene Organisation und ihr Zusammenspiel, das ihnen im Wege steht. Gemeinsam überwinden wir diese Grenzen und heben das Team auf ein neues Leistungsniveau. Wir machen Ziele und Ideen umsetzbar, bereiten die Organisation auf Wachstum vor, und entwickeln notwendiges Know-how. Mit welchen Fragen sie noch zu mir kommen, erfahren Sie hier.


 

Bild: © tournee – Fotolia.com

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 21. Mai 2015
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