Wissenschaftler forschen, Manager spielen

Der gebetsmühlenartig wiederholte Gedanke von den vielen Ideen, die man vermeintlich für kreative Lösungen braucht, hat sich inzwischen auch ins Management durchgearbeitet. Selten geht es dort jedoch darum, tatsächlich etwas zu bewegen. Vielmehr unterstützt das ständige Ideen-Wettrüsten das quartalsweise Denken, Handeln und Führen der Spitzenkräfte. Warum Kreativitätstechniken überschätzt werden.

Am Anfang steht das Brainstorming, im Anschluss wird ein Konzept aufgesetzt, und noch bevor es überhaupt umgesetzt werden kann, gibt es schon wieder fünf andere Ideen, die den ersten Entwurf hinfällig machen. Vor lauter Aktionismus hinterfragt jedoch kaum jemand, wozu er die Menge an Output überhaupt braucht. Um die Umsetzung geht es längst nicht mehr. Hauptsache, es wurde eine schnelle Lösung auf dem Papier gefunden, die auch außenwirksam kommuniziert werden kann. Wer so arbeitet, hält viele Ideen für absolut notwendig. Das hat ja schließlich schon der Pauling gesagt.

Ideensuche ist wie die Suche nach der Nadel m Heuhaufen.

Kreativitätstechniken generieren vor allem Zufallstreffer

Geht es aber darum, eine echte Innovation zu entwickeln, eine wissenschaftliche Entdeckung zu machen, kurz: ein Problem zu lösen, dessen Ergebnis noch völlig offen ist, dann helfen uns die kreativsten Workshops und Methoden nicht weiter. Keine noch so große Masse an Ideen wäre ein Garant dafür, dass der geniale Gedankenblitz darunter zu finden wäre. Und wenn doch, es wäre nur ein Zufallstreffer. Denn um der Lösung eines Problems auf die Schliche zu kommen, müssen wir es zuallererst verstehen. Deshalb hat auch Linus Pauling seinen viel zitierten Satz nicht allein stehen lassen, sondern hinzugefügt: „Most of them will be wrong, and what you have to learn is which ones to throw away.” Der Forscher wusste, wovon er spricht.

Kreativität wird überschätzt

Eine gute Idee muss also gar nicht besonders kreativ sein. Sie muss lediglich den Kern des Problems treffen. Als Pauling seinen nobelpreisverdächtigen Fragestellungen auf den Grund ging, hat er sehr wahrscheinlich nicht einfach mit Kollegen auf einem Flipchart gesammelt, was jedem dazu einfällt. Der Wissenschaftler vertiefte jahrelang seine Expertise, arbeitete sich in das Problem hinein, entwickelte Hypothesen dazu und verwarf sie wieder, experimentierte und diskutierte. Er untersuchte die Wurzeln seiner Fragestellung. Aus diesem einfachen Grund entdecken Forscher und Erfinder die unglaublichsten Dinge: Sie beschäftigen sich mit Ursachen. Manager spielen lieber mit einem Sammelsurium an Ideen.

Lesen Sie hier im dritten Teil, wem die genialste Idee der Wissenschaftsgeschichte einfach zuflog.

Bild: © Paulista – Fotolia.com

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 07. April 2015
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