Viel hilft viel – nicht immer!

Es ist selten eine gute Idee, jemandem das Wort abzuschneiden. Schon gar nicht, wenn man ihn zitiert. Denn wenn man den Schnitt falsch setzt, bleibt manchmal nicht die Wurst, sondern nur der Zipfel zurück.

Nicht mehr viel übrig von der Salami: Endstück und Wurstzipfel.Ein sehr bekanntes Beispiel für ein verstümmeltes Zitat, das vor allem von Innovations- und Gründungsberatern, von Methodentrainern und Seminaranbietern für Kreativitätstechniken gern benutzt wird, lautet: „If you want to have good ideas you must have many ideas.“ Urheber dieses Satzes ist Linus Pauling. Neben Marie Curie der Einzige, der den Nobelpreis jemals in zwei Kategorien verliehen bekam. Der amerikanische Wissenschaftler befasste sich mit der Natur der chemischen Bindungen und – um es kurz zu machen – mit anderen sehr komplizierten Themen. Glaubt jemand ernsthaft, dass sich ein mit dem Nobelpreis ausgezeichneter Chemiker denkt: „Unter vielen Ideen wird schon eine gute dabei sein?“

Manchen reicht auch der Zipfel

Das Problem ist, dass dieser Gedanke viel zu gut ins heutige Geschäftsleben passt und ihn deshalb niemand infrage stellt. Bei der Entwicklung von Werbeslogans, beim Schreiben eines Blogs, beim Entwerfen von Postkarten – bei jeder Aufgabe, deren Lösung in der Kreativität selbst liegt, ist dieser Ansatz nämlich durchaus hilfreich. Ebenso gut kommt damit weiter, wer das Ergebnis seiner Denkaufgabe bereits kennt. Ist das Ziel beispielsweise, einen neuen Motor zu entwickeln, so sind Kreativitätstechniken hilfreich, um gewohnte Denkabläufe zu durchbrechen und möglicherweise aus vielen Ideen eine ganz neue zu entwickeln.

Lesen Sie hier im zweiten Teil, warum der Gedanke von den vielen Ideen im Geschäftsleben schadet.

Bild: © Klaus Eppele – Fotolia.com

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 16. März 2015
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