Jugend forscht: Wie Anfänger zu Leistungsträgern werden.

Herzbergs Wachstums-ABC: J wie Jugend forscht.

Vielleicht haben Sie das auch schon einmal erlebt: Der Kunde wartet dringend auf ein Konzept, aber der Tag hat viel zu wenig Stunden. Ein Glück, dass es den Kollegen in Ausbildung gibt! Denn schließlich muss auch der Junior Erfahrung sammeln und Verantwortung übernehmen. Mit vollem Engagement stürzt sich der Kollege in die Arbeit und kommt kurz vor dem Termin mit einem Ergebnis an. Aus Mangel an Zeit nehmen wir das Konzept so wie es ist und gehen damit schnurstracks zum Kunden. – Dort kommt es dann ganz anders als erhofft.


Die größten Hürden in der Organisation von Unternehmenswachstum, gesammelt in meinem Wachstums-ABC – von A wie Autobahntunnel bis Z wie Zellteilung. Den gesamten Überblick finden Sie hier.


 

Wenn nichts anderes bleibt als der geordnete Rückzug.

Der Kunde macht nur eine knappe Bemerkung – ein wenig süffisant, eine Spur fordernd, aber sicher nicht zufrieden: „Ich glaube, da müssen Sie nochmal drüber – so erinnert mich das eher an Jugend forscht“. Da Schönreden hier offensichtlich nichts hilft, bleibt nur eine sinnvolle Reaktion: Der geordnete Rückzug. Peinlich berührt und ein wenig zerknirscht begeben wir uns also in die Extrarunde. Wie unangenehm!

Das Ergebnis ist alles andere als eine Win-win Situation: Der Kunde ist nicht zufrieden, die Nacharbeit blockiert Ressourcen für bezahlte Aufgaben, und der Junior erhält vom Kunden das Etikett „nicht ausreichend qualifiziert“. Hinzu kommt, dass wir selbst gegenüber dem Kunden an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Jugend forscht in einem Labor und betrachtet Gläser.

Warum uns „Jugend forscht“ nicht peinlich sein muss.

Der Grund für die Peinlichkeit der Situation: Wir fühlen uns ertappt. Denn eigentlich wussten wir bereits zu Beginn, dass das Ergebnis so nicht ausreichen würde. Das Dilemma daran: wir fühlen uns hilflos, weil wir keine Lösung haben außer, mal wieder alles selbst zu machen. Denn entweder finden wir nicht die richtigen Mitarbeiter, oder deren Ausbildung verläuft nicht schnell genug.

Um vorwärts zu kommen, müssen wir allerdings akzeptieren, dass der junge Mitarbeiter heute noch nicht das leisten kann, was wir in Zukunft von ihm wollen. Wir wissen, dass das so ist. Der Kunde spürt das. Und der Mitarbeiter auch. Also warum so tun, als wäre der Junior bereits heute ein Profi?

So machen Sie „Jugend forscht“ zum Erfolgsprogramm

Die Lösung liegt darin, „Jugend forscht“ als das zu sehen, was es ist: ein Programm, das dazu dient, den Nachwuchs gezielt zu fördern.

Verstehen Sie Jugend forscht als Wettbewerb, bei dem es etwas zu gewinnen gibt.

In unserem Beispiel konnte der Junior nur verlieren, was auf Dauer ungemein demotiviert. Und genau hier gilt es, anzusetzen. Das bedeutet: Sie schicken jemanden mit einem Auftrag ins Rennen. Und Sie geben Ihren Schützlingen eindeutig zu verstehen, dass es nichts zu gewinnen gibt, wenn der Auftrag nicht erfüllt wird.

Was es zu gewinnen gibt? Was wir hier sicher nicht wollen, ist eine Geld- oder Titel-orientierte Karotte, hinter der es herzulaufen gilt. Besser wäre zum Beispiel ein Erlebnis, das die Autonomie unterstützt und die Lernmotivation aufgreift.  Die Gewinner von Jugend forscht fahren zum großen Finale, wo sie ihre Errungenschaften präsentieren.

Wie wäre es also zum Beispiel mit einer kleinen Studien-Exkursion zum Kunden, zum Lieferanten oder an die Uni? Die Möglichkeiten, solche Anerkennung zu geben sind endlos.

Stellen Sie Coaching-Ressourcen bereit.

In unserem Beispiel war der Junior auf sich gestellt. So kann er keinen Anschluss finden. Ihre Mitarbeiter werden sich nur weiter in die gewünschte Richtung entwickeln, wenn Sie Bindung herstellen und auch einen entsprechenden Know-how Transfer organisieren. Das geht nur, wenn Sie auch entsprechend Seniors den jungen Teams zuordnen, die ihnen dabei helfen, selbst das Beste zu leisten. So lassen Sie Senior und Junior als Gespann arbeiten (siehe auch hier).

Machen Sie ein Programm daraus, und geben Sie ihm einen Namen.

Auf diese Weise wecken Sie intern Erwartungen und müssen wirklich dediziert Ressourcen bereitstellen. Und Sie können andere Mitarbeiter dafür gewinnen, daran mit zu arbeiten.

Und so lohnt sich das für Sie.

Sobald Jugend forscht ein etablierter Prozess in Ihrem Unternehmen ist, schaffen Sie den Ausstieg aus dem „Ich mach‘ es lieber selbst“-Dilemma. Der junge Mitarbeiter darf sich am echten Fall beim Kunden ausprobieren und bekommt dabei unsere Unterstützung und die Ressourcen, die er braucht. So lernt er dazu und wird mit der Zeit zu dem Profi, den wir brauchen. Und der Kunde? Dem kommunizieren wir das ganz offen. Und verkaufen ihm auch keinen Spezialisten, sondern „Jugend forscht“. Wem kann das noch peinlich sein?

Bild: © pixabay


Dr. Torsten Herzberg. Unternehmensentwickler, Vorwärtsbringer, Org-Hacker.
Meine Auftraggeber - sie haben ein tolles Team und starke Ideen. Und sie haben größeres vor. Sie entwickeln neue Strategien, treiben Innovationen voran, ihr Unternehmen wächst. Dabei ist es vor allem die eigene Organisation und ihr Zusammenspiel, das ihnen im Wege steht. Gemeinsam überwinden wir diese Grenzen und heben das Team auf ein neues Leistungsniveau. Wir machen Ziele und Ideen umsetzbar, bereiten die Organisation auf Wachstum vor, und entwickeln notwendiges Know-how. Mit welchen Fragen sie noch zu mir kommen, erfahren Sie hier.


 

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 05. Oktober 2015
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