Priorisieren im Wachstumsschub – wenn selbst das Notwendigste unmöglich ist.

Herzbergs Wachstums-ABC: P wie priorisieren im Wachstumsschub

Werfen wir einen Blick auf Ihre To-Do Liste. Wahrscheinlich stehen mehr Aufgaben darauf, als Sie in der vorhandenen Zeit schaffen können. Gerade im Wachstumsschub ist allein der Versuch aussichtslos, die Liste bis zum Ende abzuarbeiten. Alles ist wichtig, alles ist dringend. Was also tun, wenn selbst das Notwendigste als unmöglich erscheint?


Die größten Hürden in der Organisation von Unternehmenswachstum, gesammelt in meinem Wachstums-ABC – von A wie Autobahntunnel bis Z wie Zellteilung. Den gesamten Überblick finden Sie hier.


 

Wie muss es erst Rettungskräften im Katastrophenfall gehen? Was tun sie nach Erdbeben, Tsunamis oder Wirbelstürmen? Auch sie versuchen, allen zu helfen und alles zu retten, was möglich ist. Genau wie wir mit unserer To-Do Liste. Der wesentliche Unterschied ist allerdings, dass sie niemals davon ausgehen können, alles zu schaffen.

Sie blenden die Komplexität hinter jedem Einzelfall aus, da sie ohnehin nicht zu erfassen ist. Und genau das sollten wir auch tun, wenn wir vor einer solchen Überforderungssituation stehen. Denn: da wir ohnehin nicht alles schaffen können, ist manchmal einfach zupacken angesagt. Was die Rettungskräfte aber anders machen: Wenn sie schon nicht alles bewältigen können, dann schaffen sie sich Bedingungen dafür, dass sie nicht aufhören müssen.

Eine Wand gespickt mit Post-it Zetteln, die es zu priorisieren gilt.

Diese Grundeinstellung hilft ihnen dabei, den Blick auf die Prioritäten freizulegen. Zwar lassen sich die Grundregeln der Rettungskräfte nicht ohne weiteres auf uns übertragen. Allerdings können wir unsere eigenen entwickeln. Wie wäre es hiermit:

Rettungskräfte bringen sich nicht selbst in Gefahr.

Wer sich selbst in Gefahr bringt, der riskiert, dass schlimmstenfalls noch zusätzliche Ressourcen für die Rettung der Retter aufgebracht werden müssen. Was verlieren Sie also, wenn Sie Pause machen oder auf riskante Manöver verzichten? Vergleichsweise wenig, da Sie ohnehin nicht alles schaffen. Was verlieren Sie, wenn Sie keinen Wert auf Pause oder Sicherheitsmaßnahmen legen? Wahrscheinlich sehr viel mehr. Also: denken Sie zuerst an Ihre eigene Regeneration und Ihre Sicherheit.

Sie sichern ihre Versorgungswege.

Wenn Aufträge, Reklamationen und Strukturarbeit gleichzeitig hereinbrechen, dann zählt vor allem Ihre Liquidität. Denn wenn die Barmittel ausgehen, werden wir nicht länger arbeiten können, egal wie viel Arbeit übrig bleibt. Das heißt: wir packen zuerst an den Stellen an, die uns ausreichend Liquidität sichern. Dann erst kümmern wir uns um andere Dinge.

Sie halten ihre Kapazitäten frei und beweglich.

Der unnötigste Aufwand entsteht durch Abstimmungs- und Rüstzeiten. Je mehr Themen wir bearbeiten und je kleinteiliger die Arbeiten sind, desto mehr müssen wir uns im Team dazu abstimmen. Und desto öfter müssen wir zwischen den Aufgaben hin und herwechseln. Daher zählt: Bringen wir die Themen vom Tisch. Und so ziehen wir jene Aufgaben vor, die näher an der Fertigstellung liegen als andere. Und natürlich die Big Packs.

Sie verhindern weitere Katastrophen und Unfälle

Hier liegen zwei Regeln hinter dem gleichen Prinzip. Niemandem ist geholfen, wenn aus Arbeit noch mehr Arbeit wird. Das bedeutet: Wenn es in dem Aufgabenberg etwas gibt, das uns auf die Füße fallen wird (z.B. wichtige Mitarbeiterbedürfnisse, Steuern oder rechtliche Themen), dann sollten wir es vorziehen. Auf der anderen Seite sollten wir jene Dinge besser liegen lassen, die im Anschluss noch mehr Aufmerksamkeit erfordern werden, z.B. ein Produktlaunch oder eine Systemumstellung.

Sie blockieren sich nicht mit aussichtslosen Fällen

Selbstredend, dass wir Aufgaben ohne Erfolgschance besser liegen lassen sollten, weil wir stattdessen an anderer Stelle mehr erreichen können. Das ist zwar mitunter schmerzhaft, oft aber die einzige Möglichkeit, den Work in Progress zu reduzieren und die Sicherheit des Ganzen aufrecht zu erhalten. Das Ziel muss es letztlich immer sein, dem Notfallmodus  zu entkommen, weil er an die Substanz geht, anstatt sie aufzubauen.

Wenn ich die Liste nun betrachte – ich würde die Prioritäten auch außerhalb des Katastrophenfalls nach diesen Regeln setzen.

 

Bild: © kreus – fotolia


Dr. Torsten Herzberg. Unternehmensentwickler, Vorwärtsbringer, Org-Hacker.
Meine Auftraggeber - sie haben ein tolles Team und starke Ideen. Und sie haben größeres vor. Sie entwickeln neue Strategien, treiben Innovationen voran, ihr Unternehmen wächst. Dabei ist es vor allem die eigene Organisation und ihr Zusammenspiel, das ihnen im Wege steht. Gemeinsam überwinden wir diese Grenzen und heben das Team auf ein neues Leistungsniveau. Wir machen Ziele und Ideen umsetzbar, bereiten die Organisation auf Wachstum vor, und entwickeln notwendiges Know-how. Mit welchen Fragen sie noch zu mir kommen, erfahren Sie hier.


 

Autor: Dr. Torsten Herzberg · Datum: 16. November 2015
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